Umfrageergebnisse 2017

Strukturierte Befundung auf dem Vormarsch

Die Nutzung der strukturierten Befundung hat sich im Vergleich zur Vorjahresbefragung nahezu verdoppelt. Zum einen hat nicht nur die Deutsche Röntgengesellschaft das Thema im vergangenen Jahr initiativ vorangetrieben. Auch die erhöhten gesetzlichen Vorgaben an den Radiologie-Befund als führenden Befund für die Therapie (Beispiel Lebertransplantation) sind maßgeblich für diese Entwicklung, wodurch die Radiologie zur zentralen Rolle für die Therapie wird.

Der Einsatz der erweiterten Bildanalyse mit Kategorisierung nach Regelwerken und Klassifikationen wie RECIST und TNM ist zunehmend stark verbreitet. Ein großes Interesse an diesem Thema war besonders auf dem Deutschen Röntgenkongress im Mai wahrnehmbar, der die Vernetzung von Radiologie und Onkologie in den Fokus stellte, da die Onkologie als Vorreiter der leitlinienkonformen Befundung gilt. Die Verzahnung von Diagnostik und Therapie wird zudem immer wichtiger für die Patientensicherheit.

Eine automatische Befunderkennung haben gerade einmal 15 % der Befragten im Einsatz, über 70 % nutzen sie gar nicht. Auch werden Werkzeuge für evidenzbasierte Entscheidungsunterstützung von nahezu 60 % der Einrichtungen nicht eingesetzt. Dennoch werden beide weiterhin forschungsrelevante Bereiche sein.

Übergreifende Zusammenarbeit gewinnt an Bedeutung

Die Zahl der Zuweiser-Anbindungen zeigt einen weiteren Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr, die Nutzung von Patientenportalen hingegen kaum – obwohl Online-Terminbuchungen gerade seitens Patienten und Zuweisern stark nachgefragt sind. Teleradiologische Leistungen bieten dagegen 68 % der Befragten Radiologie-Abteilungen in Unikliniken und Krankenhäusern an, welche wiederum von 51 % der Praxen und Praxisverbünde in Anspruch genommen werden, Tendenz steigend.

Konferenzen bzw. Fallvorstellungen nutzen über die Hälfte der Befragten, was eine deutliche Steigerung zum Vorjahr darstellt (37 %). Die institutsübergreifende Zusammenarbeit wächst damit stetig, was die Wichtigkeit der Zusammenarbeit für die Diagnose-Qualität unterstreicht.

Für den Einsatz einer digitalen Patientenaufklärung besteht ebenfalls ein hoher Bedarf, jedoch wird diese lediglich von weniger als 18 % der Befragten umgesetzt. Mehrheitlich wird die Patientenaufklärung noch papierbasiert abgewickelt, was einen enorm hohen Archivierungs- und Verwaltungsaufwand verursacht.

Mobilität und digitale Archivierung nehmen zu

Die Nutzung von Outsourcing-Lösungen hat sich im Vergleich zum Vorjahr auf knapp 20 % verdoppelt. Auch WLAN ist heute bei über der Hälfte der Befragten im Einsatz. In der Konsequenz ist die Nutzung mobiler Endgeräte von 18 auf 30 % gestiegen. Die Relevanz mobiler Anwendungen im klinischen Alltag wird weiter zunehmen. Denkbare Einsatzbereiche in der Radiologie sind die mobile Bearbeitung von Arbeitslisten oder die zeitnahe Dokumentation der rechtfertigenden Indikation mithilfe mobiler Geräte. Auch die Bearbeitung administrativer Aufgaben per App könnte künftig an Bedeutung gewinnen.

Entgegen diesem Trend hat sich die Nutzung digitaler Kommunikationsformen wie Chat und Skype in der Radiologie noch nicht durchgesetzt (26 %), obwohl sie heute fester Bestandteil des beruflichen Alltags anderer Branchen und auch privat kaum wegzudenken sind. Deutlich wird vor allem, dass der hohe Nutzen einer zentralen digitalen Archivierung inzwischen bei allen Einrichtungen angekommen ist: ihr Einsatz ist von 75 auf 90 % gestiegen.

E-Health-Gesetz noch ohne Wirkung

Beim Einsatz von digitaler Signatur (55 %) und e-Arztbrief (37 %) ist seit einem Jahr wenig passiert. Das E-Health-Gesetz greift hier offenbar noch nicht und es bleibt abzuwarten, wie sich die Vorgaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) im Markt durchsetzen werden. Es scheint, dass die radiologischen Einrichtungen einem Trend zu folgen haben, der sie nur bedingt betrifft. Unklar ist, ob der zu erwartende Invest in den radiologischen Einrichtungen durch Einführung der Telematik-Infrastruktur ausreichend in den Radiologie-Budgets berücksichtigt wird.

Dosismanagement spielt große Rolle

Der Einsatz eines digitalen Dosismanagements ist von 10 auf rund 49 % stark angestiegen. Das zeigt, dass sich immer mehr Radiologen frühzeitig auf die künftigen Anforderungen der Euratom-Norm ab Februar 2018 vorbereiten. In den nächsten Monaten wird die Durchsetzung sicherlich noch weiter steigen. Eine rechtfertigende Indikationsprüfung bilden bereits 60 % der Befragten digital ab, ebenso eine Direktanforderung durch Ärzte mit Fachkunde. Dies stellt eine Verdoppelung gegenüber 2016 dar und verdeutlicht die Relevanz dieser rechtlich wichtigen Qualitätsthematik.

Auswertungen strukturierter Daten zu medizinisch relevanten Fragestellungen werden bei etwas mehr als einem Viertel der Befragten durchgeführt und automatische Benachrichtigungen bei kritischen Ergebnissen erhalten nur rund 13 % der Befragten. Hier besteht weiterhin Optimierungspotential.

Administrative Prozesse verbesserungswürdig

Beim Kernprozess Finanzen herrscht Nachholbedarf. Business Intelligence-Tools sind trotz wachsender ökonomischer Bedeutung nur bei rund 17 % der Befragten im Einsatz. Einen digitalen Zahlungseingangsworkflow nutzen lediglich 9 % der Teilnehmer und ein digitaler Rechnungsversand sowie E-Post-Anwendungen sind nur bei rund 14 % im Einsatz.

Die Personaleinsatzplanung erfolgt bei 70 % der Befragten bereits digital, auch das Bewerbermanagement wird von rund 54 % digital abgewickelt. Entgegen dieser Entwicklung erfolgen bei fast 65 % der Befragten interne Anträge und Genehmigungen immer noch papierbasiert. Hinsichtlich des allgegenwärtigen Fachkräftemangels ist über ein digitales Aufrüsten nicht nur bei den mitarbeiternahen Prozessen nachzudenken.

In Zusammenarbeit mit:

Trendreport Radiologie 2017

Hier können Sie den Trendreport Radiologie 2017 als PDF-Datei herunterladen.

Dr. Jens Riedel, Bereichsleiter Radiologielösungen, i-SOLUTIONS Health GmbH

„Mit dem diesjährigen Fokus auf den Digitalisierungsgrad in der Radiologie zeigt sich im Ergebnis ein größerer Nachholbedarf bei der Einbindung von Patienten, dem digitalen Prozess- und Qualitätsmanagement, im Bereich der Finanzen sowie bei der Nutzung digitaler Kommunikationsformen. Im Vergleich zum Vorjahr, begrüßen wir die Verdoppelung der Nutzung der strukturierten Befundung sowie der digitalen Dokumentation der rechtfertigenden Indikationsprüfung, als auch den enormen Anstieg im Bereich des digitalen Dosismanagements.“

Guido Gebhardt, Herausgeber Radiologie Magazin

„Dosismanagement beziehungsweise die auto-matisierte Dosisdokumentation gewann im Vergleich zur letzten Umfrage deutlich an Bedeu-tung. Mit einer Verfünffachung der Nachfrage verzeichnete dieser Bereich den stärksten Anstieg innerhalb des Trendreports.“

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